Samstag, 8. Januar 2011

Dr. Med. Gunther Frank – Ab heute lebe ich gesund

Gesundheitsfanatiker aufgepasst! Viele der gängigen Meinungen und Informationen zu einem gesundheitsbewussten Leben sind falsch oder überholt. So oder so ähnlich könnte man dieses Buch von Dr. Gunther Frank kurz zusammenfassen. Der Author versucht nicht detaillierte Gesundheitstips zu geben. All diejenigen, die gesunde Rezepte erwarten, wie z.B. ein gutes Frühstück aussehen sollte, werden eher enttäuscht sein. Hier geht es nicht um echte praktische Anleitungen für den Alltag.

In diesem Buch geht es eher darum mit gängigen Sichtweisen aufzuräumen und die Perspektive bzw. den Blickwinkel auf eine gesunde Lebensweise so zu verändern, daß man modernen Erkenntnissen gerecht wird.
Sushi
Gunther Frank identifiziert viele Vorstellungen als fremdbestimmt. Wo unsere mentalen Eckwerte für ein gesundes Leben herkommen ist schnell auf den Punkt gebracht: Es sind wieder einmal die wirtschaftlichen Interessen ganzer Produktions- und Industriezweige, die eine maßgebliche Rolle spielen. Die Lebensmittel- und die Pharmaindustrie weiß recht gut, wie unser schlechtes Gewissen gekitzelt werden kann. An der Gesundheit wird nicht gespart, hier sitzt das Geld locker. Daß fettreduzierte Dietmagarine gesünder als Butter sein soll, das haben wir alle irgendwie im Hinterkopf. Jahrelange Werbung für ein bestimmtes (uns allen bekanntes Produkt) hat sich tief festgesetzt. Doch ist das wirklich so, daß bestimmte Nahrungsmitte so gesund sind, wie es uns suggeriert wird? Nein, ist es nicht. Im Fall der Margarine gibt es keinerlei moderne Erkenntnis, daß dem so sei.
Geradezu ketzerisch geht Dr. Med. Gunther Frank auf gängige Behauptungen seiner (Arzt)Kollegen los. Warum sollen denn mehr als 200mg/Blutheinheit Colesterin schädlich sein? Damit, so die ketzerische Antwort, der Hausarzt den Nachfolgetermin vereinbaren kann, um zu prüfen ob die Blutwerte für Cholesterin irgendwann auf 190mg gefallen sind. Natürlich mit Hilfe der verschriebenen Medikamente. Dabei gibt es, so Gunther Frank, keinerlei rationale Begründung gerade diese Choleserin-Werte als Grenze für gesunde bzw. ungesunde Blutwerte festzulegen. Er geht noch weiter: Es gäbe auch keinerlei Quelle oder Studie, die so etwas belegt und, so die Botschaft, ein Großteil der Bevölkerung trägt die “Cholesterin-Legende” nur in den Köpfen mit sich herum, weil die wirtschaftlichen Interessen es so wollen.
Markt in Cala Rajada
Oft bleibt dem Leser der Mund vor Staunen offen stehen. Es werden geläufige Meinungen angekratzt, die uns allen schon als selbstverständlich erscheinen. Wer hat schon nicht einmal Vitaminpräparate zu sich genommen? Vitamine sind gut für die Gesundheit, Vitamine sind vorbeugend gegen Krankheiten, so unser aller “Wissen” über Vitamine. Bestimmten “Zielgruppen” werden Vitaminpräparat mittels schlechtem Gewissen eingeredet: Raucher und Schwangere brauchen mehr Vitamine als andere. Da kommt es einem als “Vitaminesser” unheimlich vor, wenn uns Günther Frank von einer großangelegten Langzeitstudie berichtet: Raucher, die sich freiwillig für einen Test gemeldet hatten, bekamen regelmäßig Vitamin-A-Präparate verabreicht, denn dieses Vitamin soll gut gegen die beim Rauchen entstehenden Radikale sein. Erschreckendes Ende der Studie: Die Langzeituntersuchung musste nach recht kurzer Zeit abgebrochen werden, weil die Krebsrate der Zielpersonen seit Einnahme des Vitaminpräparates um ca. 20% gestiegen war. In der offiziellen Verlautbarung hieß es lapidar, der Test musste “aus ethischen Gründen” abgebrochen werden.
Sushi
Die Botschaft von Gunther Frank lautet nun nicht unbedingt, daß Vitaminpräparate etwas schlechtes sind. Er möchte uns lediglich dahingehend sensibilisieren, daß wir Interessen der Wirtschaft ausgesetzt sind, um diese Präparate zu kaufen und daß wir subtil manipuliert werden. Und diese Manipulation führt dazu, daß wir in vollem Vertrauen auf Presse und Medien Gesundheitspräparate zu uns nehmen, ohne medizinische Fakten zu hinterfragen.

Sein Buch hat vielleicht einen recht unglücklich geratenen Titel -”Ab heute lebe ich gesund” hat etwas von einem Ratgeber, in dem man immer wieder nachschlagen kann. Das passt aber nur bedingt zu diesem Buch. Es ist eher ein Streifzug durch eine Landschaft voller Irrtümer und landläufiger Meinungen. Neuere Erkenntnisse der Medizin und Wissenschaft werden präsentiert und poulärwissenschaftlich aufbereitet. Aber gerade die teilweise markigen und provukanten Sprüche sind es, die dieses Buch würzen. (Z.B. “Vegetarier leben nicht länger – Sie sterben nur an anderen Krankheiten”).

Letztendlich ist eine der Kernbotschaften von Gunther Frank, daß man auf die innere Stimme hören soll und daß alles, was man für seine Gesundheit macht (insbesondere der Sport!) auch Spaß machen muß, sonst ist der erzielte Gesundheitseffekt nicht voll ausgeschöpft.
Seine Aussagen sind zum größten Teil mit Quellenangaben hinterlegt, so daß jeder Interessierte hier weiteren Nachforschungen hinterhergehen kann.
Blue Angel
Das gesundheitsbewusste Leben hat nichts mit Askese zu tun, sondern der richtige Mix macht es. Sehr passend stellt hierzu Gunther Frank fest, daß täglich zwei Gläser Alkohol erlaubt sind (aber er scheibt nicht welche Alkoholsorte) und dies nachgewiesen die Lebenserwartung steigert. Hierzu schreibt Gunther Frank: “Lieber mit siebzig an Leberzirrhose sterben, als mit sechzig an etwas anderem”. Na dann Prost!