Sonntag, 3. April 2011

Wolfgang Hohlbein - Dunkel

Bali 2010: Vampirkuss Vampire mal ganz anders. Wolfgang Hohlbein krempelt das Image von Vampiren um und verpasst ihnen neue Eigenschaften. Entgegen dem üblichen Klischee haben Vampire in diesem Roman keine Angst vor Knoblauch oder vor Kreuzen. Ja sie können sogar auch im Sonnenlicht herumlaufen, ohne gleich zu einem Haufen Asche zu zerfallen. Selbst die Vorstellung, dass man durch den Biss eines anderen Vampirs zum Vampir wird, stimmt in Wolfgang Hohlbeins Roman nicht mehr. Man wird durch den durchaus angenehmen Ritus des Beischlafs zum Vampir, wenn man zu denen gehört, die es schaffen mit einem Vampir ins Bett zu gehen. Nur in einem Punkt wird noch die Treue zum Vampir-Klischee gewahrt: Vor Silber haben die Vampire in seinem Roman noch höchsten Respekt.

 
Der Roman spielt sich in einer deutschen Stadt der gegenwärtigen Zeit des 21. Jahrhunderts ab. Schon mit dem ersten Satz des Romans wird man in eine ominöse Geschichte hineingeworfen, zunächst ist unklar, was wirklich passiert. Da die Hauptfigur nach einem Kinobesuch ohne ersichtlichen Grund zuerst einmal im Krankenhaus landet. Hohlbein lässt etwas Humor durchschimmern und lässt die Hauptfigur im Kino einen Vampirfilm ansehen, bevor sie ohne Grund auf der Kinotoilette zusammenbricht. Für kurze Zeit ist die Hauptfigur sogar klinisch tot, wird aber wiederbelebt. Ab diesem Punkt kommt der Leser nicht umhin zu mutmaßen, ob man es mit der Beobachtung von seltsamen Effekten eines verletzten bzw. kranken Menschen zu tun hat, oder ob die seltsamen schemenhaften Schatten, die immer wieder am Rand des Blickfelds auftauchen, wirklich existieren.

Doch für Vermutungen bleibt wenig Zeit. Die Hauptfigur verlässt das Krankenhaus und es wird klar, dass nichts mehr wie früher sein wird. Dies kommt um so deutlicher hervor, je mehr Menschen in seinem Umfeld ums Leben kommen. Stellenweise bekommt die Handlung einen Hauch von Krimi-Charackter, ein ermittelnder Kriminalkommissar nimmt einen festen Platz im Geschehen ein. Stets reihen sich neue Ereignisse aneinander, so dass der Leser immer wieder mit zusätzlichen Infos versorgt wird, aber mit gerade noch so kleinen Informationskrümmeln, dass nie ein klares Gesamtbild über das Geschehen gezeichnet wird. Dem Gesamtbild kann man sich nur durch stetiges Weiterlesen nähern. So schafft es Hohlbein einen Spannungsbogen zu erzeugen, der von der ersten bis zur letzten Seite anhält. Ich habe für die ca. 480 Seiten drei Tage gebraucht. Einmal in die Hand genommen lässt sich „Dunkel“ unkompliziert aber mit stetiger Spannung herunterlesen. Schade, dass der Spannungsbogen in einem abrupten Ende abbricht. Da hätte ich mir eine sanftere Landung für die Story gewünscht. Aber wenigstens erwartet den Leser kein klassisches Happy-End.