Sonntag, 26. Juni 2011

Bitcoins: Die neue Weltwährung aus dem Cyberspace?


SecurityDer Weblogs-Gründer Jason Calacanis nannte es das "gefährlichste Opensource Projekt aller Zeiten". Staatliche Behörden warnen vor der Nutzung. US-Geheimdienste sind darauf aufmerksam geworden und beobachten es argwöhnisch. Die Rede ist von Bitcoins. Eine Neuerscheinung im Internet, etwas was es so noch nie gab. Etwas, was man besitzen aber nicht berühren oder sehen kann. Bitcoin ist eine virtuelle Internet-Währung, die nichts geringeres für sich in Anspruch nimmt, als:



  • Geeignet als Weltwährung zu sein
  • Inflationssicher zu sein
  • Frei von staatlicher Regulierung zu sein
  • Vollständig anonym nutzbar zu sein
  • Dezentral und damit unangreifbar organisiert zu sein


Für einige ist es schlicht die Zukunft der Währung. Bitcoins sind ein Phänomen, das durch das Internet geistert und zunehmend die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Erfunden wurden Bitcoins von einem Japaner namens Satoshi Nakamoto (der Name dürfte kaum echt sein...), der einen Artikel mit dem Titel "Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System" veröffentlichte. Es dauerte nicht lange, bis sich seine Vision in der Internet-Community wie ein Lauffeuer verbreitete. Bitcoins wurden zu einem echten Internet-Hype, dessen Ende nicht absehbar ist.

Die ersten Schritte werden im Bitcoin-Wiki sehr gut erklärt. Einen guten Einstieg findet man auch bei Bitcoinme (auf englisch). Bei Youtube findet man bereits viele Videos, die sich mit Bitcoins beschäftigen. Die ersten freien Bitcoins kann man bei Bitcoin-Faucet geschenkt bekommen, man bekommt sehr kleine Beträge überwiesen, gut geeignet um das eigene Bitcoin-Konto zu testen. Wer Bitcoins kaufen möchte, der kommt an Mt Gox nicht vorbei, das ist die zentrale Handelsbörse für Bitcoins. Eine virtuelle Handelsbörse, versteht sich. Beim Bitcoinmonitor kann man Bitcoin-Transaktionen, Handelsbewegungen und viele andere Informationen in Echtzeit beobachten.

Wer möchte, der kann sich seine Bitcoins auch selbst erzeugen. Das Berechnen von Bitcoins kann sehr lange dauern und fordert sehr viel Rechenpower vom Computer (und viel Strom), je leistungsfähiger der Computer desto besser. Wer das letzte an Rechenpower aus seinem Computer holen möchte, der lässt auch die Grafikkarte mitrechnen. Windows-User können zu einem Programm wie dem Guiminer greifen.


Frankfurt CityProgramme wie DiabloMiner können Grafikkarten als Recheneinheit nutzen. Interessant und erwähnenswert ist Krad Miner, ein Browser-AddOn für den Firefox. Damit lassen sich Bitcoins unkompliziert im Browserfenster unter Einbezug der Grafikkarte berechnen. Ein Aufruf der Krad Miner Webseite genügt, es muss nur noch die eigene Bitcoin-Bezahladresse angegeben werden, fertig. Dann muss nur noch gerechnet werden, hierzu lässt man tage- und nächtelang das Browserfenster geöffnet. Krad Miner überweist alle berechneten Bitcoins täglich an die angegebene Adresse, vorausgesetzt es wurde ein Mindestbetrag berechnet.
Wem die Rechenpower des eigenen Computers nicht ausreicht, der kann sich mit anderen zusammen tun. Es gibt Bitcoin-Gemeinschaften (Mining-Pools), die gemeinsam an Bitcoins rechnen und sich dann den Gewinn teilen, wer am meisten Rechenpower zur Verfügung stellt, bekommt den größten Anteil an den gemeinsam gefundenen Bitcoins, ein Vergleich der Bitcoin-Pools lohnt sich, denn manche Mining-Pools verlangen Transactions-Gebühren für die Überweisung der Gewinne, andere nicht.

Doch Vorsicht, eine echte Kontrolle über die virtuelle Währung gibt es nicht wirklich. Es gibt keine offiziellen Handelsplätze und niemand kann garantieren, daß man für Bitcoins irgendwann wieder echtes Geld zurück bekommt. Für Spekulanten können Bitcoins trotzdem eine spannende Geschichte sein. Schon heute gibt es die ersten Artikel, die z.B. von einem "schwarzen Freitag" und "Kursabstürzen" sprechen, was zeigt daß es schon beachtliche Handelsvolumen mit Bitcoins gibt. Fakt ist: Da die Anzahl der maximal möglichen Bitcoins beschränkt ist (auf etwa 21 Millionen), wird es irgendwann keine neuen Bitcoins mehr geben und es muß mit den Bitcoins gehandelt werden, die im Umlauf sind. Spätestens dann dürfte der Wert der Bitcoins in ungeahnte Höhen schießen und eine starke Deflation eintreten. Wenn staatliche Institutionen nicht vorher die Bitcoins verbieten. Es gibt erste offene Handelsplattformen, die mit einer unglaublich schamlosen Offenheit diverse Drogen im Internet anbieten. Jüngst machte die Drogen-Handelsplattform Silky Road von sich reden: Komplett per Tor-Netzwerk anonymisiert lässt sich der Server kaum ausfindig machen und bezahlt wird anonym mit - wie sollte es anders sein - mit Bitcoins. Die Drogen werden nach Bezahlung an jede gewünschte Adresse geliefert. Es bleibt spannend und abzuwarten, wie die staatlichen Regulierungsbehörden solchen Entwicklungen begegnen.


Modern Times (HDRI, München)Welches Fazit bleibt am Ende? Es ist schwierig abzuschätzen, wie es mit den Bitcoins weiter geht. Sicher ist, daß das Prinzip der Bitcoins nun die Aufmerksamkeit staatlicher Regulierungsbehörden geweckt hat. Dies wird wohl auf Kurz oder Lang zu ersten Belastungsprüfungen des Peer-to-Peer Prinzips führen. Kann sich die virtuelle Währung gegen statliche Eingriffe behaupten? Vermutlich wird das dezentrale Prinzip sich technisch behaupten können. Doch die größte Schwachstelle sind die zentralen Handelsplätze, an denen Bitcoins gegen echtes Geld gehandelt werden können. Dies bietet zumindest einen realen Angriffspunkt für die staatlichen Behörden. Der Staat sollte sich jedoch gut überlegen, ob ein Verbot der virtuellen Währung wirklich Sinn macht: Zum Einen würden die Bitcoins mehr in den Untergrund gedrückt werden und sich noch mehr der staatlichen Kontrolle entziehen. Zum Anderen würden dem Staat nicht unerhebliche Steuereinnahmen entgehen, die bei einer offiziellen Anerkennung der virtuellen Währung in der Staatskasse hängen bleiben würden.

Ob jetzt Geld klauen einfacher wird? Oder ob ein Bankraub ganz neue Dimensionen einnimmt? Dort, wo es virtuelles Geld gibt, da dauert es nicht lange bis virtuelle Diebe auftauchen. Schon jetzt gibt es die ersten Trojaner, die sich darauf spezialisert haben einen Computer nach der elektronischen Brieftasche (Wallet) zu durchsuchen und diese an einen lachenden Dritten zu versenden. Es kam bereits auch zur ersten Währungskrise, als eine der bekanntesten Bitcoin Handelsplätze Mt. Gox gehackt wurde und eine größere Menge Bitcoins digital entwendet und gegen echte Währung getauscht wurden. Nun ja, so sicher, unangreifbar und derguliert scheint das Bitcoin-Konzept in der Realität auch nicht zu sein, zumindest nicht in der jetzigen Entwicklungsphase.

Es bleibt also abzuwarten, welche Ausmaße die sich immer weitere verbreitenden Bitcoins annehmen. Zumindest werden die Bitcoins wohl nicht wieder so schnell verschwinden, wie sie aufgetaucht sind, dafür wurde bereits zu viel echtes Geld in die virtuelle Währung konvertiert. Derzeit ist es nicht abzusehen, daß die Eigendynamk, die die Bitcoins entfesselt haben, ein schnelles Ende finden wird.