Mittwoch, 19. April 2017

William C. Dement: Der Schlaf und unsere Gesundheit

Der Schlaf galt lange Zeit als Zustand der Bewusstlosigkeit, der rein der Erholung dient. Doch es ist komplizierter.  William C. Dement hat sein Leben der Erforschung eines der rätselhaftesten Zustände der menschlichen Psyche gewidmet und gilt als einer der Pioniere der Schlafforschung. In seinem Buch nimmt er uns auf eine Reise mit, in der sich der Nebel um den Schlaf immer weiter lichtet. Die Reise beginnt in seiner Studienzeit und führt uns zu verschiedenen Meilensteinen der Schlafforschung. 1970 gründet er das erste Labor für Schlafforschung. Nach und nach wird ihm klar, dass es im Schlaf messbare Muster gibt, die es zu interpretieren gilt. Sein Weg führt ihn zur Entdeckung verschiedener Schlafphasen und er stellt Zusammenhänge zu Krankheitsmerkmalen her, die vorher nicht in Zusammenhang mit einem mangelnden Schlaf gebracht wurden. Erste diagnostische Erfolge geben ihm Recht und er vertieft seine Studien.


So ist dieses Buch nicht nur ein medizinisches Kompendium, sondern auch die Biographie eines Wissenschaftlers. Wir begleiten den Forscher auf seinem Lebensweg bei der Aufdeckung vieler Geheimnisse des menschlichen Schlafs, gespickt mit Anekdoten aus dem Forscherleben. Die Reise führt von den verschiedenen Schlafphasen, über Krankheiten die durch mangelnden Schlaf ausgelöst oder gefördert werden können, bis hin zu der Abrechnung mit Mythen. Eine der Mythen lautet "Schlaf kann man nicht nachholen" - stimmt nicht. William C. Dement hat die "Schlafschuld" entdeckt und diese wissenschaftlich unter Laborbedingungen messbar gemacht. Und hat nachgewiesen, dass sich die Schlafschuld begleichen lässt, ja sogar beglichen werden muss, sonst ist mit gesundheitlichen Folgen zu rechnen. Neben körperlichen Ausprägungen, die Schlafmangel mit sich bringen kann, wird wiederholt betont welche zentrale Rolle der Schlaf für die psychische Stabilität spielt und somit eine zentrale Rolle einnimmt für die Fähigkeit den Alltag zu bewältigen.

Dieses Buch ist ein ganzheitliches Kompendium. Es bringt uns wissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse leicht verständlich nahe. Darüber hinaus spannt sich der thematische Bogen hin zu pragmatischen Handlungsanweisungen für den Alltag, so widmet sich eines der letzten Kapitel einer Schlafkur und zeigt auf, wie man die eigene Schlafschuld methodisch abbauen kann und ein heilsames Schlafmuster in den Alltag integriert werden kann.

Die nicht ganz fünfhundert Seiten sind nicht immer flüssig zu lesen. Es darf nicht vergessen werden, dass es sich um ein wissenschaftliches Werk handelt und keine unterhaltsame Belletristik, wenn auch der Author versucht den wissenschaftlichen Stoff durch kleine Geschichten aus seinem Leben aufzulockern und die Inhalte methodisch in kleinen Kapiteln aufbereitet. Wer sich die Mühe macht dieses Buch von Anfang bis Ende zu lesen, wird auf jeden Fall von dem Wissensgewinn profitieren und hinterher den Schlaf als viel mehr bewerten, als jemals zuvor.